Schächte und Bauwerke der Kanalisation: Arten, Aufbau und Normen | Kanalinspekteure.de

Fachwissen · Kanalbau · Infrastruktur

Schächte und Bauwerke: die Knotenpunkte der Kanalisation.

Von kleinen Kontrollschächten auf dem Grundstück bis zu großen Sonderbauwerken im öffentlichen Kanalnetz: Schächte schaffen Zugang, verbinden Leitungen und ermöglichen Wartung. Hier erfährst du, welche Arten es gibt, wie sie aufgebaut sind und welche Normen und technischen Regeln bei Planung, Bau und Prüfung zu beachten sind.

Schachtarten Aufbau & Bauteile Sonderbauwerke DIN- und DWA-Regelwerke
⌖ Zugänge und Verbindungen verstehen
▤ Aufbau und Funktion im Detail
✓ Normen passend zur Bauart zuordnen
Der Überblick

Warum Schächte mehr sind als ein Deckel im Asphalt

In der Kanalisation müssen Leitungen verbunden, Richtungs- und Höhenänderungen bewältigt, Abflüsse kontrolliert und Anlagen gereinigt oder inspiziert werden. Dafür braucht es Schächte und Bauwerke, die hydraulisch sinnvoll angeordnet, dauerhaft dicht, statisch tragfähig und für die spätere Unterhaltung zugänglich sind.

01
Schachtarten

Welche Arten von Schächten gibt es?

Die Bezeichnung beschreibt oft die Hauptaufgabe – die genaue Ausführung hängt vom System ab.

◎

Einsteigschacht

Ein Einsteigschacht ist als Zugang für Personen vorgesehen, sofern die konkreten Arbeits- und Sicherheitsbedingungen das zulassen. Er ermöglicht Betrieb, Inspektion, Reinigung und bestimmte Instandhaltungsarbeiten. Größe, Öffnung, Steighilfen und Arbeitsraum müssen zur vorgesehenen Aufgabe passen.

⌕

Kontroll- oder Inspektionsschacht

Diese Schächte ermöglichen Kontrolle oder Reinigung von der Oberfläche aus. Viele kleine Schächte auf Grundstücken sind nicht zum Einstieg gedacht. Durchmesser und Einbauten müssen zu Kamera, Reinigungsgerät und dem vorgesehenen Wartungskonzept passen. Welche Kamerasysteme und Ausstattungen dafür infrage kommen, zeigt der Überblick über Hersteller von Kanalinspektionsanlagen .

⌖

Anschluss- oder Übergabeschacht

Er liegt häufig im Bereich eines Grundstücksanschlusses und schafft einen gut erreichbaren Kontrollpunkt. Ob er zugleich die Grenze zwischen privater und öffentlicher Zuständigkeit markiert, bestimmt die örtliche Entwässerungssatzung beziehungsweise die Vereinbarung mit dem Netzbetreiber – der Name allein entscheidet das nicht.

⇄

Verbindungs-, Vereinigungs- oder Abzweigschacht

Hier laufen mehrere Leitungen zusammen oder eine Leitung zweigt ab. Das Gerinne im Schachtunterteil führt die Ströme zusammen. Anschlüsse und Richtungen sollten so gestaltet werden, dass unnötige Umlenkungen, Rückstau und Ablagerungsstellen vermieden werden.

↪

Richtungsänderungsschacht

Ein Richtungswechsel der Kanaltrasse kann über einen Schacht erfolgen. Das schafft einen zugänglichen Punkt zur Kontrolle und macht die Leitungsführung im Bestand nachvollziehbar. Ob ein begehbarer Schacht erforderlich ist, hängt von Durchmesser, Geometrie und Betreiberanforderungen ab.

↕

Absturzschacht

Ein Absturzschacht überwindet einen größeren Höhenunterschied zwischen Zu- und Ablauf. Die Führung kann innen, außen oder als spezieller Fallschacht ausgeführt werden. Die Konstruktion muss den Wasserstrom führen und Energie so abbauen, dass Bauteile nicht unzulässig beansprucht werden.

💧

Spül- oder Reinigungsschacht

Ein geeigneter Zugang erlaubt das Einführen von Reinigungsgeräten oder Schläuchen. Die Bezeichnung ist oft funktionsbezogen und bedeutet nicht überall eine eigenständige, normativ einheitliche Schachtbauart. Entscheidend sind Zugänglichkeit, Durchmesser, Leitungsführung und die geplante Reinigungsmethode.

▤

Schachtbauwerk für Mess- oder Drosseltechnik

In bestimmten Schächten werden Durchflussmessungen, Probenahmen, Drosselorgane oder Absperreinrichtungen untergebracht. Dafür sind ausreichender Einbauraum, sichere Zugänglichkeit, wartbare Einbauten und ein hydraulisch sinnvoller Aufbau erforderlich.

Begriffe sind nicht überall identisch

„Kontrollschacht“, „Übergabeschacht“ und „Anschlusskontrollschacht“ können in kommunalen Satzungen, Betreiberunterlagen und Produktkatalogen unterschiedlich abgegrenzt sein. Bei Ausschreibung und Bau sind deshalb die Definitionen und Vorgaben des konkreten Betreibers zu verwenden.

02
Funktion im Netz

Wofür werden Schächte und Bauwerke eingesetzt?

Jede Funktion sollte bei Planung und Betrieb erkennbar sein.

Ausgangssituation Typische Lösung Zweck
Eine Leitung soll untersucht, kontrolliert oder gereinigt werden. Inspektions-, Kontroll- oder Einsteigschacht Erreichbarkeit und Zugang zum Kanalabschnitt sichern.
Mehrere Haltungen treffen zusammen. Verbindungs- oder Vereinigungsschacht Leitungsströme zusammenführen und Anschlüsse zugänglich halten.
Die Kanaltrasse ändert ihre Richtung. Richtungsänderungsschacht oder geeignetes Bauwerk Trassenführung ändern und eine Kontrollstelle vorsehen.
Ein Höhenunterschied ist zu überwinden. Absturzschacht oder Fallschacht Abwasser kontrolliert abführen und Energie abbauen.
Das Gelände oder die Höhenlage verhindert Freispiegelabfluss. Pumpwerk mit Pumpensumpf und Armaturen Abwasser sammeln, anheben und in die nächste Leitung fördern.
Regenzuflüsse müssen zeitweise gespeichert oder gedrosselt werden. Regenrückhalte- oder Drosselbauwerk Abfluss begrenzen und Niederschlagswasser zeitversetzt abgeben.
Ein Mischsystem muss bei bestimmten Regenereignissen entlastet werden. Regenüberlauf oder Regenüberlaufbecken Abflussverhältnisse im Gesamtsystem steuern; Anforderungen des Gewässerschutzes beachten.
Ein Hindernis muss unterquert werden. Düker mit Oberhaupt, Tiefpunkt und Unterhaupt Abwasser unter einem Gewässer, Verkehrsweg oder anderen Hindernis hindurchführen.

Ein Schacht ist damit kein Zubehör, das man beliebig entlang der Leitung platziert. Seine Position beeinflusst Inspektion, Reinigung, Betrieb, Reparatur und die spätere Orientierung im Leitungsbestand. Bei Sonderbauwerken steht zusätzlich eine hydraulische oder prozesstechnische Aufgabe im Vordergrund. Wie die zugehörigen Leitungsabschnitte untersucht und bewertet werden, zeigt auch der Fachbeitrag DIN EN 13508-2: Codes verstehen und richtig anwenden .

03
Konstruktion

Wie ist ein typischer Schacht aufgebaut?

Vom Gerinne am Boden bis zur Abdeckung auf Gelände oder Fahrbahn.

Vorgefertigte Schächte bestehen je nach Produkt aus mehreren Bauteilen, die zu einem dichten und tragfähigen System zusammengesetzt werden. Ein Beton-Einsteigschacht und ein kleiner Kunststoff-Kontrollschacht unterscheiden sich erheblich – die folgenden Teile sind daher als typischer Aufbau zu verstehen, nicht als Pflichtliste für jedes Modell.

Technischer Querschnitt eines Einsteigschachtes DN 1000 mit Schachtdeckel, Rahmen, Ausgleichsringen, Konus, Schachtringen, Steighilfen, Gerinne, Berme und Schachtunterteil
Typischer Aufbau eines Einsteigschachtes DN 1000 – Bauteile, Abmessungen und konstruktive Zusammenhänge im Querschnitt.
Unterer Bereich Schachtunterteil

Bildet den Boden, das Gerinne und die Rohranschlüsse mit passenden Einbindungen und Dichtungen.

Schachtkörper Schachtringe / Schachtrohr

Stellt die vertikale Schachthöhe und den erforderlichen Innenraum her.

Übergang Konus oder Abdeckplatte

Verjüngt beziehungsweise schließt den Schachtkörper zum Einstieg hin ab.

Oberfläche Aufsatz, Rahmen und Deckel

Stellt die Höhe zum Gelände ein und schließt die Öffnung entsprechend der Belastungsklasse.

Gerinne und Bankette

Das Gerinne ist die geformte Rinne, in der das Abwasser durch den Schacht fließt. Es sollte Zulauf und Ablauf ohne unnötige Kanten verbinden. Bankette sind die seitlichen erhöhten Flächen neben dem Gerinne. Ihre Form unterstützt den Zugang und die Reinigbarkeit und soll unnötige Ablagerungsbereiche begrenzen. Bei mehreren Zuläufen ist wichtig, dass sich die Ströme nicht ungünstig gegenseitig behindern.

Rohranschlüsse und Dichtungen

Die Öffnungen für die angeschlossenen Rohre müssen zur Lage, zum Rohrdurchmesser und zum Schachtsystem passen. Dichtungen dürfen bei Transport und Montage nicht beschädigt oder verschoben werden. Improvisierte Öffnungen oder unpassende Anschlussstücke können die Dichtheit und Dauerhaftigkeit beeinträchtigen.

Schachtringe, Konus und Ausgleich

Schachtringe beziehungsweise Schachtrohre bilden den Schachtkörper. Konus oder Abdeckplatte bilden den oberen Abschluss; Aufsatz- oder Ausgleichselemente passen die Höhe des Rahmens an. Die Verbindung und der Einbau müssen den Herstellerangaben und dem Nachweis des Systems entsprechen. Unebenheiten im Straßenraum dürfen nicht durch beliebige Zwischenlagen „repariert“ werden.

Rahmen, Abdeckung und Steighilfen

Abdeckung und Rahmen schützen die Öffnung und müssen zur tatsächlichen Beanspruchung passen. Bei dafür vorgesehenen Einsteigschächten können Steighilfen oder Leitern eingebaut sein. Solche Bauteile machen einen Einstieg allerdings nicht automatisch sicher: gefährliche Atmosphäre, Sauerstoffmangel, Absturz, Überflutung und biologische Gefährdungen müssen gesondert bewertet werden. Einstieg und Rettung benötigen eine geeignete Arbeitsorganisation.

Dichtheit ist eine Systemeigenschaft

Fugen zwischen Fertigteilen, Rohranschlüsse, Dichtungen, Schachtunterteil und gegebenenfalls Abdeckungsbereiche müssen zusammenpassen. Die konkrete Prüfung richtet sich nach Bauart, Auftrag und den jeweils anwendbaren Regelwerken.

04
Sonderbauwerke

Welche größeren Bauwerke gibt es in der Kanalisation?

Wenn reine Rohrführung nicht reicht, übernehmen Bauwerke spezielle Aufgaben.

⇧

Pumpwerk

Das Pumpwerk hebt Abwasser an, wenn ein ausreichendes Gefälle nicht zur Verfügung steht. Typische Bestandteile sind Pumpensumpf, Pumpen, Armaturen, Steuerung, Druckleitung, Rückflussverhinderung und Zugang für Wartung. Auslegung und Betrieb müssen Zufluss, Förderhöhe, Störfälle und Notfallstrategien berücksichtigen.

🌧

Regenüberlauf und Regenüberlaufbecken

Diese Bauwerke steuern im Mischsystem Abflüsse bei Regenereignissen. Schwellen, Drosseln, Speicherraum und Entlastungswege müssen hydraulisch geplant und mit den wasserrechtlichen Anforderungen abgestimmt werden.

▤

Regenrückhaltebecken

Ein Rückhaltebecken speichert Regenwasser zeitweise und gibt es kontrolliert ab. Neben dem Speichervolumen zählen Drossel, Notüberlauf, Zugänglichkeit, Reinigbarkeit und Betriebssicherheit.

↘

Absturz- und Energieumwandlungsbauwerk

Es führt Wasser über einen Höhenunterschied und baut Energie kontrolliert ab. Geeignete Geometrien verringern das Risiko von Erosion, Schäden an der Sohle, Lufteintrag, Spritzwasser oder übermäßiger Geräuschentwicklung.

⇄

Düker

Ein Düker führt Abwasser in einer tiefliegenden, meist vollgefüllten Leitung unter einem Hindernis hindurch. Oberhaupt, Tiefpunkt und Unterhaupt dienen der Führung, Kontrolle und gegebenenfalls Reinigung. Wegen möglicher Ablagerungen ist eine sorgfältige hydraulische und betriebliche Planung entscheidend.

⚙

Mess-, Drossel- und Verteilbauwerk

Solche Bauwerke messen Abflüsse, begrenzen sie oder verteilen Zuflüsse auf verschiedene Wege. Einbauten benötigen ausreichend Platz für Betrieb und Wartung und dürfen das Kanalsystem nicht ungewollt behindern.

Für größere Kanalbauwerke ist DWA-A 157 „Bauwerke der Kanalisation“ ein wichtiges Regelwerk für Planung und Ausführung. Je nach Funktion kommen ergänzende hydraulische, konstruktive, maschinen- und elektrotechnische sowie wasserrechtliche Anforderungen hinzu. Eine übergreifende Orientierung bietet die Fachseite DIN- und DWA-Regelwerke der Kanaltechnik .

05
Materialien

Welche Werkstoffe werden eingesetzt?

Material und Konstruktion müssen zur Belastung und zum Abwasser passen.

Werkstoff / Bauart Typische Verwendung Wichtige Prüfpunkte
Beton / Stahlbeton Vorgefertigte Einsteigschächte, große Durchmesser, viele öffentliche Schächte und Sonderbauwerke. Tragfähigkeit, Exposition, chemische Beanspruchung, Abrieb, Bewehrung, Fugen und Dichtheit.
Kunststoff (PVC-U, PP, PE) Häufig kleine Kontroll- und Inspektionsschächte sowie bestimmte Einsteigschachtsysteme. Systemgrenzen, zulässige Tiefe, Auftrieb, Bettung, Verformung, Lasten und passende Anschlussdetails.
Polymerbeton Je nach System Schachtunterteile oder Bauwerke mit speziellen Anforderungen an Oberflächen und chemische Beanspruchung. Produktbezogene Eignungsnachweise, Verbindung zum Schachtkörper und Verträglichkeit der Anschlüsse.
Ortbeton / Mauerwerk / Sonderkonstruktion Individuelle Bauwerke, Umbauten und historische Kanalisationen. Einzeln zu planende Tragfähigkeit, Dauerhaftigkeit, Dichtheit, Gebrauchstauglichkeit und sichere Zugänglichkeit.

Der niedrigste Anschaffungspreis ist selten das einzige sinnvolle Entscheidungskriterium. Untergrund, Grundwasser, Auftrieb, Verkehrsbelastung, chemischer Angriff, Einbautiefe, Montageverfahren, spätere Reinigung und die erwartete Lebensdauer beeinflussen die Wahl. Bei Sonderbauwerken sind die statischen und hydraulischen Nachweise projektbezogen zu führen. Für die hydraulische Betrachtung von Leitungsquerschnitten und Profilformen ist ergänzend die Fachseite Kanalprofile: Formen und Hydraulik hilfreich.

06
Normen und Regeln

Welche Normen sind beim Bau von Schächten einzuhalten?

Es gibt keine einzelne Norm, die alle Materialien, Schachttypen und Funktionen abdeckt.

Die konkrete Normenliste hängt vom Werkstoff, der Bauart, dem Einsatzbereich und dem Auftrag ab. Die folgende Übersicht nennt zentrale Regelwerke und erklärt ihren typischen Bezug. Sie ist keine Garantie, dass jede Norm in jedem Projekt anzuwenden ist; vor Ausschreibung und Bau müssen der aktuelle Normenstatus, der Anwendungsbereich und die konkreten Vorgaben geprüft werden.

Norm / Regelwerk Typischer Bezug Worauf kommt es an?
DIN EN 476:2022-09 Allgemeine Anforderungen an Bauteile für Abwasserleitungen und -kanäle, einschließlich einschlägiger Inspektions- und Einsteigschächte. Grundlegende Anforderungen an die Bauteile und deren Eignung im vorgesehenen System.
DIN EN 1917:2003-04 Einsteig- und Kontrollschächte aus Beton, Stahlfaserbeton und Stahlbeton. Produktanforderungen für die im Anwendungsbereich erfassten vorgefertigten Betonschachtbauteile.
DIN 4034-1:2020-04 Deutsche Ergänzung zur europäischen Produktnorm für entsprechende Schachtfertigteile. Anforderungen, Prüfung und Kennzeichnung im jeweiligen Normbereich beachten.
DIN 4034-101:2026-02 Ergänzende Anforderungen zur Konformitätsbewertung bestimmter Schachtfertigteile in Verbindung mit DIN EN 1917 und DIN 4034-1. Relevanz, Anwendung und Produktzuordnung vor Beschaffung prüfen; sie ist keine eigenständige Bauanleitung für jeden Schacht.
DIN EN 13598-2:2020-12 Kunststoff-Einsteig- und Kontrollschächte für erdverlegte drucklose Entwässerungssysteme in ihrem definierten Material- und Anwendungsbereich. Material, zulässige Tiefe, Produkteigenschaften und Systemgrenzen beachten; nicht auf alle Kunststoffbauwerke übertragbar.
DIN EN 1610:2015-12 Einbau und Prüfung von Abwasserleitungen und -kanälen. Ausführung und vereinbarte Prüfungen der Anlage betrachten; die konkreten Anforderungen an Schacht oder Sonderbauwerk zusätzlich festlegen.
DWA-A 139:2019-03 Deutsche technische Regeln für Einbau und Prüfung von Abwasserleitungen und -kanälen. Als Ergänzung zur Ausführung und Prüfung im jeweiligen Anwendungsbereich heranziehen.
DIN EN 124-Reihe Abdeckungen und Aufsätze in Verkehrsflächen; verschiedene Teile behandeln unterschiedliche Werkstoffe und Klassen. Rahmen und Deckel passend zur tatsächlichen Einbaustelle und Belastung auswählen, z. B. Gehweg oder befahrene Fahrbahn.
DWA-A 157:2020-12 Bauwerke der Kanalisation – Planung und Ausführung von Bauwerken in Entwässerungssystemen außerhalb von Gebäuden. Besonders relevant für Regel- und Sonderbauwerke sowie konstruktive Detailfragen, Umbau und Sanierung im Anwendungsbereich.
DIN EN 752:2017-07 Übergeordneter Rahmen für Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden. Planung, Bau, Betrieb, Wartung und Sanierung im Zusammenhang des Gesamtsystems betrachten.
DWA-A 118 Hydraulische Bemessung von Entwässerungssystemen. Für hydraulische Aufgaben eines Bauwerks – etwa Drosseln, Rückhaltung oder Entlastung – projektbezogen relevant.
DIN 1986-100 Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke im zugehörigen Anwendungsbereich. Bei Grundstücksentwässerung zusammen mit den einschlägigen europäischen Normen und örtlichen Vorgaben anwenden.

Abdeckungen: Belastungsklasse ist entscheidend

Abdeckungen und Aufsätze werden nach der DIN EN 124-Reihe klassifiziert. Häufig begegnen dir beispielsweise A 15, B 125, C 250 und D 400; für höhere Belastungen gibt es unter anderem E 600 und F 900. Die Klasse muss zum tatsächlichen Einsatzbereich passen. Ein Deckel an einer Fahrbahn darf nicht allein deshalb gewählt werden, weil er in den Rahmen passt. Zu prüfen sind Einbauort, Verkehrsbelastung, der zutreffende Teil der Normenreihe und die Vorgaben des Netzbetreibers.

Norm, Bauprodukt und Bauausführung sind drei verschiedene Dinge

Eine Produktnorm legt Anforderungen an ein Produkt fest. Einbau- und Prüfregeln beschreiben, wie die Anlage fachgerecht hergestellt und geprüft wird. Genehmigung, Ausschreibung, Vertrag und Betreiberstandard können weitere Anforderungen vorgeben. Vor dem Bau muss deshalb eine konkrete, projektbezogene Normenliste stehen.

Eine erste Orientierung bietet das DIBt-Informationsportal zu Schächten für Abwasserleitungen . Für belastbare Aussagen sind zusätzlich die vollständigen Normtexte und der tatsächliche Anwendungsbereich des Produkts maßgeblich. Weitere technische Grundlagen findest du auf der Fachseite Regelwerke und Normen der Kanaltechnik .

07
Planung und Einbau

Wie wird ein Schacht fachgerecht geplant und gebaut?

Gute Qualität entsteht durch ein passendes System und kontrollierte Ausführung.

1 · Festlegen Funktion und Lage

Schachtart, Position, Höhe, Anschlüsse, Wartungszugang und Betriebsanforderungen bestimmen.

2 · Bemessen Hydraulik und Lasten

Gerinne, Durchmesser, Tragfähigkeit, Grundwasser, Auftrieb und Verkehrslasten berücksichtigen.

3 · Einbauen Systemgerecht montieren

Baugrube, Untergrund, Bettung, Dichtungen und Rohranschlüsse nach Planung und Herstellerangaben ausführen.

4 · Prüfen Qualität dokumentieren

Lage, Höhen, Anschlüsse, Dichtheit und vereinbarte Prüfungen kontrollieren und Nachweise ablegen.

Worauf bei der Ausführung besonders zu achten ist

  • Baugrube und Untergrund: Sicherung der Baugrube, tragfähiges Auflager, Grundwasser und Auftrieb berücksichtigen.
  • Höhe und Gerinne: Sohle, Zulauf und Ablauf passend setzen; Absätze, Fehlgefälle und unnötige Umlenkungen vermeiden.
  • Bauteilkompatibilität: Nur kompatible Schachtringe, Konen, Aufsätze, Dichtungen und Anschlusskomponenten zusammen verwenden.
  • Rohranschlüsse: Öffnungen, Einbindungsstücke und Dichtungen fachgerecht ausführen, damit keine unkontrollierten Wasserwege entstehen.
  • Verfüllung und Verdichtung: Vorgesehene Materialien und Ausführung beachten, damit keine unzulässigen Setzungen oder Verformungen entstehen.
  • Rahmen und Deckel: Höhe und Belastungsklasse an die Oberfläche und deren Nutzung anpassen.
  • Prüfung und Dokumentation: Vereinbarte Prüfungen, Produktkennzeichnungen, Abweichungen und Bestandsdaten nachvollziehbar festhalten. Für den strukturierten Datenaustausch im Bestand ist auch ISYBAU – Datenaustausch in der Kanaltechnik relevant.
  • Wartungszugang: Sicherstellen, dass Inspektion, Reinigung und späterer Austausch von Einbauten möglich bleiben.

Bei Sonderbauwerken sind die Anforderungen umfangreicher: Hydraulische Nachweise, Tragwerksplanung, Maschinentechnik, Mess- und Steuerungstechnik, Explosions- oder Gasgefährdungen sowie wasserrechtliche Anforderungen können hinzukommen. Das lässt sich nicht durch die bloße Auswahl eines Standard-Schachtprodukts abdecken. Für Berechnungen und technische Hilfsmittel steht außerdem das Technische Rechenzentrum zur Verfügung.

?
Kurz erklärt

Häufige Fragen zu Schächten und Kanalbauwerken

Ist jeder Kontrollschacht zum Einsteigen gedacht?

Nein. Viele Kontrollschächte sind nur für die Kontrolle oder Reinigung von außen vorgesehen. Ein Einstieg darf nur erfolgen, wenn der Schacht dafür geeignet ist und die erforderlichen Schutz- und Rettungsmaßnahmen organisiert sind.

Welche Norm gilt für alle Schächte?

Es gibt keine einzelne Norm, die alle Schachtarten unabhängig von Material und Funktion vollständig regelt. Betonfertigteilschächte, Kunststoffschächte, Abdeckungen, Einbau und Sonderbauwerke werden durch unterschiedliche, sich ergänzende Regelwerke erfasst.

Welche Deckelklasse ist auf einer Straße erforderlich?

Die richtige Klasse richtet sich nach der tatsächlichen Verkehrsfläche und Belastung. Die DIN EN 124-Reihe enthält unterschiedliche Klassen und Werkstoffteile. Vor Beschaffung sind die genaue Einbaustelle, der passende Normteil und die Vorgaben des Betreibers zu prüfen.

Muss ein neuer Schacht auf Dichtheit geprüft werden?

Die konkreten Prüfanforderungen richten sich nach Bauart, geltenden Regeln und Auftrag. DIN EN 1610 und DWA-A 139 behandeln den Einbau und die Prüfung von Abwasserleitungen und -kanälen; für den Schacht selbst ist die passende Schacht- und Projektanforderung mit zu berücksichtigen.

Was unterscheidet einen Schacht von einem Sonderbauwerk?

Ein Schacht bietet hauptsächlich Zugang, Verbindung oder einen Richtungs- und Höhenwechsel. Ein Sonderbauwerk erfüllt zusätzliche Aufgaben wie Pumpen, Speichern, Drosseln, Messen, Entlasten oder Unterqueren und benötigt dafür eine speziell ausgelegte Konstruktion.

Das Kanalnetz ist nur so zuverlässig wie seine Bauwerke.

Funktion, Dichtheit, Tragfähigkeit, Zugänglichkeit und Normkonformität müssen von der Planung bis zur Abnahme zusammenpassen. Für die Zustandsdokumentation bei der Inspektion helfen die DIN EN 13508-2: Codeverzeichnis und die Erläuterungen zur Anwendung der DIN EN 13508-2 .

Fachfragen diskutieren ↗
Werbung
iPEK – Kanalinspektionssysteme