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Freimessen im Keller notwendig?


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  • Registrierter Benutzer

Hallo und allen ein frohes Weihnachtsfest, 

 

Lese hier nun schon lange Zeit interessiert mit und muss aus gegebenen Anlass nun selbst mal eine Frage stellen! 

Ich bin überwiegend in der Rohreinigung in Mehrfamilienhäusern tätig, wo wir auch des öfteren überflutete Keller haben. Wenn es sich nun offensichtlich um Abwasser handelt kann es doch auch zu einer Gasentwicklung kommen!? Sollte man deswegen auch freimessen, bevor man arbeiten im Keller ausführt ( Verstopfung beseitigen, abpumpen usw.) oder ist der Keller als solches nicht als geschlossenes Bauwerk zu betrachten und zu "undicht"  als das sich Gase halten können? Ich wurde neulich von einer Fremd Firma angesprochen, bei den genannten Arbeiten, ob ich keinen Gaswarner hätte, müsste ich leider verneinen..... 

 

Danke im voraus für eure Meinungen 

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  • Moderator

Moin,

Freimessen muss man vor allem bei arbeiten in Behältern,Silos,Schächten, Kanälen etc. Ich bezweifle das das Messen im Keller eines Mehrfamilienhauses bei Rückstau einer Schmutzwasserleitung Sinn macht, da es in einem solchem Keller doch ausreichend an Zufuhr von Sauerstoff kommt. Vielleicht gibt es noch weitere Meinungen.

 

 

Freimessen

Durch Einwirkungen von Gefahrstoffen aus gesundheitsschädigender und / oder explosionsfähiger Atmosphäre sowie Sauerstoffmangel entstehen Gefährdungen bei der Arbeit in Schächten und Kanälen. Vor Betreten dieser bzw. dem Beginn der Arbeiten sind daher Freimessungen und / oder Be- und Entlüftungsmaßnahmen z.B. durch natürliche Konvektion und / oder durch blasende Lüftung von unten durchzuführen. Dabei ist auf ausreichende Luftgeschwindigkeit sowie einen ausreichenden Luftwechsel zu achten.

Durch diese Maßnahmen wird sichergestellt, dass keine die Gesundheit gefährdende Atmosphäre vorhanden ist oder entstehen kann. Die Freigabe zum Befahren nach Be- und Entlüftung und / oder Messung erfolgt durch den Verantwortlichen vor Ort.

Freimessen ist gemäß DGUV Regel 113‑004 "Arbeiten in Behältern, Silos und engen Räumen" (bisher: BGR/GUV‑R 117‑1) das Ermitteln einer möglichen Gefahrstoffkonzentration bzw. des Sauerstoffgehalts (mindestens 19%) vor und während der Arbeiten in Behältern, Silos oder engen Räumen mit dem Ziel des sicheren Begehens bzw. Befahrens z.B. von Schächten und Kanälen. Die Messungen möglicher Gefahrstoffe müssen an repräsentativen Stellen im Bauwerk vorgenommen werden. Die Messergebnisse sind zu dokumentieren.

Es wird zwischen kontinuierlicher Überwachung mittels Gaswarnanlagen oder dem Freimessen mittels mobiler Gaswarngeräte unterschieden. Die verwendeten Geräte müssen für die Messaufgabe geeignet und hinreichend genau sein. Auf der Grundlage der Benutzerinformationen der Hersteller für die Messgeräte sind Betriebsanweisungen zu erstellen. Weitere Informationen hierzu finden sich in der DGUV Information 213‑056 "Gaswarneinrichtungen für toxische Gase/Dämpfe und Sauerstoff, Einsatz und Betrieb"(bisher: Merkblatt T 021 / BGI 836) und der DGUV Information 213‑057 "Gaswarneinrichtungen und -geräte für den Explosionsschutz, Einsatz und Betrieb" (bisher: Merkblatt T 023 / BGI 518).

Die freizumessenden Gefahrstoffe sind im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung festzulegen. Eine Freimessung sollte mindestens Methan (CH4), Kohlendioxid (CO2) und Sauerstoff (O2) umfassen, ggf. auch Schwefelwasserstoff (H2S) oder Kohlenmonoxid (CO).

Mit dem Freimessen dürfen nur Personen beauftragt werden, die über die erforderliche Fachkunde bzgl. der verwendeten Messgeräte bzw. Messverfahren, der zu messenden Gefahrstoffe und der betrieblichen Verhältnisse verfügen. Diese Fachkunde kann nach dem DGUV Grundsatz 313‑002 "Auswahl, Ausbildung und Beauftragung von Fachkundigen zum Freimessen nach DGUV-Regel 113‑004" erworben werden.

 

Quelle: https://www.bgetem.de/arbeitssicherheit-gesundheitsschutz/brancheninformationen1/energieversorgung/fernwaermeverteilung/arbeitsschutz-in-schaechten-und-kanaelen-von-fernwaermeverteilungsanlagen#section-4

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  • Moderator

Guten Morgen!
Sehr interessantes Thema!

Ich habe schon öfters mein Gaswarngerät in Kellerräumen eingesetzt.

Ein paar mal war es in einer örtlichen Reha-Klinik. Dort sind schlecht belüftete, abgelegene Räume in den UGs ohne Fenster.  In dieser Klinik bin ich öfters und ich weiss, dass ich da auch mal 8 Stunden im Keller arbeiten kann, ohne dass jemand nach mir schaut. Da ist es mir lieber, wenn ich mein Gaswarngerät bei mir habe. Tatsächlich habe ich sogar ein paar Videos gefunden, als ich 2011 in dieser Klinik die Grundleitungen untersucht habe. Dort hatte ich auch mein Gaswarngerät gefilmt, wie es neben dem Schacht im Kellerraum bis zu 3ppm(!) Schwefelwasserstoff angezeigt hat. Und da war keine Verstopfung. Es war während der TV-Untersuchung.

 

Auch beim Einsatz in Wohnhäusern während Verstopfungen hatte ich mein Gaswarngerät schon im Einsatz. Normalerweise nehme ich es aber nur mit, wenn die Kellerräume tief liegen und schlecht belüftet sind (z.B. Gewölbekeller bei uns in der Altstadt aus dem Mittelalter) oder wenn ich sehe, dass die Leitung schon sehr lange verstopft ist, bzw, wenn die Brühe schon länger im Keller steht. Wenn ich mich richtig errinnere, hat das  Gaswarngerät noch nie in einem Keller die erste Warnschwelle erreicht, aber 3-4ppm wurden durchaus schon angezeigt.

 

Anbei ein Video aus 2011 und ein Screenshot von dem Video, wo gerade 2,4ppm angezeigt werden.

 

MFG Kreisi

Gaswarngerät LVA 2011.jpg

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  • Moderator

Das ist nicht hinreichend genau zu beantworten, interessant wird es wie immer werden, wenn etwas passiert ist.

In der DGUV 103-003 ist der Einsatz von Gaswarngeräten in "Umschlossenen Räumen von abwassertechnischen Anlagen" vorgeschrieben.

Also würde sich in einem mal angenommenen Fall mit Personenschaden die Staatsanwaltschaft/das Gericht mit der Frage beschäftigen, was rechtlich eine abwassertechnische Anlage ist.

Die Definition von Haufe lautet:

 

Zitat

Als abwassertechnische Anlagen werden sämtliche Einrichtungen bezeichnet, die zur Ableitung, Sammlung, Speicherung und Behandlung von Abwasser und zur Gewinnung, Lagerung und Verwendung von Faulgas und zur Schlammbehandlung dienen. Abwasser ist dabei sowohl Schmutzwasser (= durch häuslichen, gewerblichen, landwirtschaftlichen oder sonstigen Gebrauch in seinen Eigenschaften verändertes Wasser) sowie Niederschlagswasser (= nach Niederschlägen von bebauten oder befestigten Flächen abfließendes Wasser).

 

Wenn es um Geld geht, dürfte da eine Prozeßlawine drohen.

Da es um unseren Hintern und unsere Versorgung im Schadensfall geht, würde ich empfehlen eine solche Messung immer vorzunehmen, auch wenn es wahrscheinlich in der allermeisten Fällen keine Meldungen geben wird.

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  • 2 weeks later...
  • Registrierter Benutzer

Moin... 

Danke für die Antworten, melde mich jetzt erst aus dem Urlaub zurück. :) 

 

Ich denke mittlerweile auch, daß aus Sicherheitsgründen eine Messung gemacht werden sollte. Ich meine natürlich Situationen in denen das Abwasser schon ein paar Tage im gesamten Keller oder vereinzelten Räumen mehrere cm steht und nicht nur eine Pfütze da ist, was durchaus öfter hier in Berlin vorkommt! Die Belüftung ist halt schwierig ein zu schätzen, da kaum ei. Fenster außerhalb eines Mieterkellers ist und die wenigsten diese Fenster offen lassen. 

Situationen in denen Kollegen über plötzlichen Kopfschmerz oder Übelkeit klagten ( mal von den optischen "Reizen" abgesehen) hatten wir schon! 

Ich sehe halt einen Keller unter bestimmten Voraussetzungen mittlerweile ähnlich einer Abwassertechnischen Anlage. Steht die Brühe länger und in Massen, kann es auch zur Gasbildung kommen.... 

 

Bis dahin... 

 

 

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